Kurzurlaub an der Nordsee

Am 6. September wollten wir an die Nordsee fahren für eine Woche. Wir haben das Auto vollgepackt mit allem, was wir brauchten für einen Urlaub mit Max, unserem querschnittsgelähmten Bordercollie. Wieder war das Auto voll bis an alle Ecken und Ränder. Wir brauchten je einen Rollstuhl für Max, einen für mich, mein Elektromobil, einen Duschstuhl und unsere Klamotten für warme und kalte Tage. Dazu kamen meine vielen Medikamente, Windeln für Max, spezielle Slips für mich und viele Grundnahrungsmittel.

Wir haben dieses Mal nur wenige Bücher mitgenommen und ich nur ein Tablet PC. Bislang hatte ich immer viel zu viel Kleidung und Lektüre und HörbuchCDs eingepackt. Weil ich in den Wohnungen und Häusern der Freunde und Bekannten keine Treppen steigen kann, komme ich nur draussen regelmäßig unter Menschen und habe nur wenig Gelegenheit, meine hübschen Sachen anzuziehen.Wir machen Spazierfahrten mit Max zweimal täglich, da treffen wir andere Herrchen oder Frauchen mit Hund. So manch anderer Hund springt uns an und hinterlässt seinen Pfotenabdruck auf meinen Hosen oder T-Shirt.

Wir kamen nach einer Fahrzeit von drei Stunden mittags an in Kamperland. Doch wir brauchten dreißig Minuten, um den Bungalopark de Grote Dünen zu finden und das Haus mit unserer Nummer, denn es gab etliche kleine Strassen mit gleichen Hausnummern, entlang an kleinen Wasserstrassen.
Das Wetter war schön, zwanzig Grad, wir brauchten nur eine Pause für Max zu machen.

Wir waren zunächst skeptisch, denn der Park wirkte sehr eintönig, alle Häuser waren hellgrau, kubisch gebaut und sahen unscheinbar von aussen aus. Doch dann waren wir begeistert, ich konnte mich mit dem Rollstuhl sehr gutt durch den Bungalow bewegen.Die Räume waren lichtdurchflutet, die Türen breit genug für mich und meinen Rollstuhl. Es gab drei Schlafzimmer, es hätten sechs Leute dort wohnen können.So hatten wir genügend Platz für unsere Plastikboxen mit den Kleidungsstücken und den vielen
Utensilien, mit Futter für Max und sein Spielzeug. Ich konnte die Toilette und das Bad benutzen, wir hatten einen zusammenklappbaren Duschstuhl mitgenommen, den ich zum ersten Mal nicht brauchte. Es gab eine Spülmaschine und Waschmaschine. So konnten wir die Rüdenbinden waschen zusammen mit Hosen, das war sehr angenehm und wir brauchten nicht zu spülen. Es gab genügend Geschirr.

Es war schwierig gewesen, einen schönen Bungalow zu finden, der barrierefrei war und in dem ein Haustier erlaubt war.Der Fussboden war abwaschbar.
Am ersten Tag regnete es nachmittags kurz, doch wir konnten zu Fuss zum Meer gehen bei de Banjaard. Der Strand war sehr breit, wie wir es von früheren Urlauben gewöhnt waren. Max rannte mit seinem Rollie schnurstracks in Richtung auf das Wasser. Doch die Wellen waren etwas zu hoch für ihn.
Ich konnte mit meinem Elektromobil nur bis auf 50 Meter vom Wasser entfernt fahren und dort warten, von dort zuschauen, wenn mein Mann mit Max spielte nahe an der Brandung. Weiter gingen die Holzbohlen nicht an das Wasser.

Wir machten einen Ausflug nach Coljinsplaat, um Fisch zu kaufen. Doch das Geschäft war geschlossen, es war montags. Wir sind am alten Hafen spazieren gegangen, dort wurden gerade die Reste einer stattgehabten Kirmes abgebaut.Auf dem Deich hatten wir einen schönen Ausblick auf die Seeland Brücke und auf einige Schiffe, wir trafen etliche Leute, die sich nach Max erkundigten. Unser Weg endete an einem Spielplatz am Ufer mit Klettergerüst.Auf dem Rückweg haben wir zu Mittag gegessen in Ostkapelle und ich habe einen Bolus probiert, er schmeckte sehr gut und war mit Tiramisu gefüllt.Er sieht aus wie ein gefülltes Streuselbrötchen.

Einmal haben wie an einem Strandpavillon Poffertije gegessen. Sie schmeckten uns genauso gut wie vor 40 Jahren.Wir sind ein zweites Mal nach Coljinsplaat gefahren, dieses Mal wollten wir Fisch im Restaurant essen. Doch wir kamen nicht hinein, deshalb sind wir in das Selfservicerestaurant gegangen, wo wir nur frittierten Fisch zu essen bekamen. Das war enttäuschend, mein Mann hatte Kabeljau bestellt, der sehr fettig war.

Wir haben jeden Tag zweimal einen Spaziergang an den Strand gemacht, sind nach Ostkapelle und Westkapelle gefahren und sind auf dem Deich spazieren gegangen.
In Westkapelle ist der Strand betoniert,, die Autos konnten bis an das Wasser fahren. Auf der Rückfahrt sind wir in ein Pfannkuchenhaus gegangen. Es gab dort einen schönen Spielplatz draussen und eine Empore mit sehr viel Spielzeug. Der Pfannkuchen war lecker, aus Flaschen konnten wir Sirup auf die Pfannkuchen giessen.

Aam vorletzten Tag schauten uns ein Silberreiher und eine Ente zu, als wir auf der Terrasse sasen.

Wir haben viele Brombeeren am Wegesrand gesehen. Einmal trafen wir gleichzeitig zwei weitere Bordercollies am Strand, die wie Max vierfarbig waren. Sie spielten sehr nett miteinander. Eigentlich ist die Rasse : „blue Merle“ bei Bordercollies selten.

Wir kennen die kleinen Städte am Veerse Meer wie Middelburg, Domburg und den Nehle Jan Deltapark, der als Damm das Meer bei Sturmfluten eindämmen soll.Dort hatten wir vor 40 Jahren mit unseren Kindern Urlaub gemacht und waren im vorigen Jahr dort.

Die sechs Tage gingen schnell vorbei. Wir brauchten drei Stunden zurück nach Aachen. Zu Hause war das Wetter an dem Tag besser als an der Nordsee, so konnten wir nachmittags einen Spaziergang am See machen, wir fühlten uns schnell wieder zu Hause.

Es war für mich eine Abwechslung, diese kleinere Fahrtstrecke hat mich nicht so sehr angestrengt wie die Reise an die Ostsee. Leider kann ich fast gar nicht beim Packen helfen, mein Mann tut mir immer leid, was er alles mitnehmen muss für Max und mich.

Mir fallen dauernd Sachen aus der Hand, weil ich keine Kraft in den Händen habe und kein Gefühl. Ich kann auch keine Kleidungsstücke falten. Wir müssen für mich mein Beatmungsgerät mitnehmen und je einen Rollstuhl für Max und mich und ein Elektromobil.

Es ist schön, und ich bin dankbar, dass wir trotz meiner schweren Behinderung und der von Max so kleine Reisen machen können.

Wartezeiten kann ich gut mit Achtsamkeitstraining überbrücken.

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