Kurztrip zum Keukenhof in Südholland

Ich hatte schon seit vier Jahren den Wunsch, zum Keukenhof zu fahren, um die Tulpenblüte zu bewundern. Die Fahrtzeit beträgt dreieinhalb Stunden von Aachen bis Lisse. Jetzt hatte ich einen Prospekt vom Keukenhof, darin wurden Übernachtungen angeboten, auch Unterkünfte für Behinderte. Der Ort Lisse liegt ganz nahe am Meer. Das reizt mich besonders, ich mag es sehr, mir den Wind um die Nase wehen zu lassen, das Spiel derWellen zu beobachten. Die Holländer haben oft auch für Behinderte einen Zugang an das Meer für Rollstuhlfahrer. Doch wir buchten nicht sofort ein Quartier, sondern erst ganz kurz vor Ostern. Nun gab es keine wirklich behindertengerechten Hotelzimmer mehr. Wir hätten sofort buchen sollen 4 Wochen früher.

Nun haben wir nur ein Apartment gebucht in Lisse, es ist zweistöckig, die Schlafzimmer sind oben. Doch ich konnte im Erdgeschoss im Wohnzimmer sehr bequem auf dem Sofa liegen, die Türen waren breit genug für meinen Rollstuhl, unten befand sich auch ein WC und eine Küche.

Wir fuhren morgens um 10 Uhr los ohne Max, weil in der Unterkunft keine Haustiere erlaubt sind. Meine Bekannte ist mit ihrem Hund Teddy zusammen in unserem Haus geblieben. Max liebt sie sehr und versteht sich gut mit Teddy, ihrem kleinen Hund.

Wir hatten mein Elektromobil (Easy Rider) in das Auto gepackt, meinen Rollstuhl, den zusammenklappbaren Duschstuhl, für jeden einen kleinen Koffer und mein Beatmungsgerät. Es war jetzt sehr viel weniger Gepäck als früher für eine Woche und mit unserem HundMax und seinen vielen Sachen.

Das Wetter war wechselnd, mal regnete es kurz, aber dann schien auch wieder die Sonne. Wir haben eine CD mit Elke Heidenreich (alte Liebe) gehört, die sehr lustig ist und uns an die Zeiten um 1968 herum erinnert. Wir haben eine Pause gemacht an einer Tankstelle, es gab eine Behindertentoilette, die auch als Besenkammer diente.

Wir haben jeder ein leckeres Baguette gegessen. Um 14 h waren wir am Ziel in Lisse. Es war ein Haus für sechs Personen, geschmackvoll eingerichtet. Wir haben kurz ausgepackt und sind dann mit dem Auto zum Keukenhof gefahren. Wir haben jeder 18 Euro für den Eintritt bezahlt, eine Ermäßigung gab es weder für meinen Mann noch für mich, obwohl ich die Zusatzbezeichnung B Begleitung habe. Es waren viele Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs. Ich hätte einen Rollstuhl oder ein Elektromobil für 10 Euro mieten können, dann hätte ich eine Kaution hinterlegen müssen.

Ich konnte gut mit meinem eigenen Elektromobil an die Beete heran fahren. Der Weg durch den Park ist 15 km lang, doch es gibt überall Abkürzungen.

Ich war begeistert , das erste Beet bestand aus Tulpen, Narzissen, Hyazinten in vier verschiedenen Farben, es war oval, leicht erhaben. Und dann kamen immer wieder lange schmale Beete mit verschiedenfarbigen Narzissen, mit ganz kleinen und besonders großen, innen orange, außen gelb. Ich hatte mein Tablet PC dabei und habe viele Fotos gemacht. Wir haben zwei Stunden lang die vielen verschiedenen Beete bewundert, dann haben wir in einem der Restaurants im Keukenhof gegessen. Es war ebenerdig und ich hatte kein Problem, mit dem Elektromobil hinein zu kommen. Ich bestellte einen Salatteller mit Krabben, Ekkehard einen Hamburger. Wir waren sehr zufrieden,denn das Salatdressing bestand aus Essig und Öl, zum Glück war kein Fertigdressing verwendet worden, denn ich kann die künstlichen Zusätze in Fertigsossen oft nicht vertragen, deshalb ist das Essengehen sonst oft ein Risiko für mich neben der Frage, ob es barrierefrei ist.ich bin doppelt gestraft mit ganz vielen Allergien. Deshalb nehme ich mir oft lieber etwas zu essen für unterwegs mit.

Nach dem Essen sind bei Noordwijk, einem Ort mit sehr vielen Hotels, an den Strand gefahren. Wir konnten nicht direkt ans Wasser heran fahren, aber von oben von der Promenade auf den Dünen konnten wir den wunderbar weißen Strand sehen und das Spiel und Plätschern der Wellen auf uns wirken lassen. Der Strand ist hier 16 km breit und in diesem Gebiet werden am meisten Blumenzwiebeln gezüchtet(das Gebiet nennt sich Bollenstreek).

Am Strand spazierten junge Paare mit sehr kleinen Kindern und ältere Paare, es waren wahrscheinlich Großeltern mit ihren Enkeln. Auch einige Hunde tobten am Strand, da hätte unser Max auch Spaß gehabt.

In der Nacht haben wir beide gut geschlafen in der unteren Etage auf den beiden Sofas. Für ein Frühstück hatte ich Muffins gebacken, und wir haben uns Tee dazu gekocht und unsere gekochten Ostereier dazu gegessen. Um 10 Uhr mussten wir unser Appartement räumen, unsere Sachen waren dieses Mal schnell zusammen gepackt.Wir fuhren noch einmal an den Strand, und ich fuhr mit meinem Elektromobil auf der Promenade oben auf den Dünen. An einem Treppenaufgang konnten wir daneben herunter zu einem Strandpavillon fahren, der gerade geöffnet hatte. Wir tranken einen leckeren Latte macchiato und aßen Apfelkuchen dazu, wieder konnten wir die jungen und älteren Paare mit Kindern und Hund beobachten und das Spiel der Wellen.

Wir haben dann noch die Stadt Leyden besichtigt, danach Den Haag. In beiden Städten gibt es sehr schöne,antike Häuser und Grachten. In Leyden wurde die erste holländische Universität gegründet(17. Jahrhundert) .Wir stießen jedoch an vielen Stellen auf eher moderne Universitätsgebäude. In beiden Städten fuhren mit Ausflüglern beladene Schiffe durch die Grachten.

In Den Haag sahen wir viele sehr hohe futuristisch wirkende Gebäude, mit verschieden geformten Giebeln, teils dreieckig, teils halbrund oder wellenartig.

Wir aßen noch Poffertje in Den Haag nach einem Snack, wir waren enttäuscht , sie waren matschig und hatten keinerlei Ähnlichkeit mit den Poffertjes , die wir vor 30 Jahren gegessen hatten.

Von Den Haag aus fuhren wir zurück nach Aachen und kamen um 18 Uhr zu Hause an. Max freute sich sehr und uns hatte unser Ausflug Spass gemacht und Mut, weitere kleine Ausflüge mit ein oder zwei Übernachtungen zu wagen, vielleicht nach Rotterdam, wenn ich in den Bus mit meinem Rollstuhl komme, der durch den Rhein fährt oder sonst nach Antwerpen. Das Arbeitspensum ist für Ekkehard dann machbar, ohne dass er stundenlang alles zusammen packen muss. Zwei Tage kann Max auch ohne uns sein, wir müssen nur rechtzeitig nach einer wirklich behindertengerechten Unterkunft suchen, dann brauchen wir weniger Gepäck. Ein Elektromobil kann ich auch mieten und im Voraus buchen. Wir waren mehrfach in Travemünde, wenn wir dann noch in einen Stau kamen, war es für mich viel zu anstrengend. Aber so freue ich mich auf unseren nächsten Trip.

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