Frecher Angriff in der Straßenbahn

Vor 10 Jahren konnte ich nur noch 500 Meter gehen mit Hilfe eines Gehstockes, dazu hatte ich einen nicht heilenden Knochenbruch abwechselnd in beiden Beinen. Da verlor ich beinahe den Mut.

Ich habe fast all meine Aktivitäten fort geführt. Ich besuchte damals fast an jedem Wochentag einen Kursus bei der Volkshochschule. Ich konnte mit der U-Bahn dort hin fahren oder ein Taxi nehmen. Manchmal nahm mich eine Freundin mit im Auto.

Am meisten Freude machte mir das kreative Schreiben. Diese Gruppe veranstaltete auch Lesungen im Café Libresso in Köln. Ich hatte ein Gedicht geschrieben über einen Vorgang in der Straßenbahn, das ich vorlas. Das Gedicht gefiel einigen Zuhörern sehr. Es ist ziemlich holperig, doch auf den Inhalt kommt es an. Ein Jugendlicher hatte mich absichtlich in der Ubahn einfach umgeschubst.

Der Text lautete ungefähr so:

Angriff in der Straßenbahn:

Ich habe einen Termin beim Orthopäden.

Ich bin schon spät dran,

Da muss ich ein Taxi nehmen.

ich winke eines heran.

Doch da schubst mich ein kräftigerMann

Energisch zur Seite und steigt ein.

Er trägt Anzug und Schlips.

Mit meinem Bein im Gips

wäre ich beinahe umgekippt.

Vor mich drängeln sich immer mehr Männer,

im Benutzen der Ellenbogen sind sie Kenner.

Mein PROTEST wird nicht gehört,

hat nur die Abfertigung gestört.

Ein weiteres Taxi ist nicht in Sicht.

Meinen Termin schaffe ich so nicht.

Ich muss es mit der U-Bahn versuchen.

Ich humple unter leisem Fluchen.

zur nächsten U-Bahn Station.

Dort warten aber schon

mindestens vierzig Leute,

Lauern wie eine Affenmeute.

Ich warte und fluche innerlich,

Warum kommt die Bahn denn nicht?

Beim Fußballspiel im Stadium daneben

Hatte es den Schlusspfiff gegeben.

Erst nach dreißig Minuten

hält endlich die nächste Bahn,

sie ist proppenvoll.

Ich weiß nicht ,

wie ich da reinkommen soll.

Die Menschen stehen dicht an dicht,

denn im Stadium daneben

hat es ein Fußballspiel gegeben.

Ganz viele Zuschauer

warten und lauern,

Dass die nächste Bahn kommt.

Nun hält eine Bahn,

Von hinten schiebt mich einer an,

so komme ich doch noch hinein in die Bahn.

Die Menschen grölen und schunkeln.

Und ich höre es munkeln:

„Mach die Zigarette aus,“

denn einige zünden sich eine an,

Einige trinken ihr Bier,

Viele Betrunkene gibt es hier.

Ich komme an keinen Sitzplatz ran.

Umfallen kann ich erst einmal nicht,

Die Menschen drängen sich so dicht,

Dass man mich fast zerquetschen kann.

Die nächste Haltestelle kommt in Sicht.

Einige stehen zum Aussteigen auf.

Ich drehe mich um,

Ist ein Sitzplatz für mich dabei?

Um mich herum

ist nirgends etwas frei.

Doch ehe ich einmal aufatmen kann,

Robbt sich von hinten ein Mann heran.

Er schubst mich absichtlich von hinten um.

Als ich dann am Boden war:

Da erklärt er mir ganz klar:

Sie sind es selber schuld,

Sie waren mir im Weg,

Ich kam nicht aus den Füßen,

Sie hätten mich aussteigen lassen müssen.

Mühsam kam ich hoch mit meinen zwei Krücken ,

Für mich mochte sich niemand bücken.

Jetzt wollte ich nur noch raus,

aber die Tür blockierte ein betrunkener Mann.

Ich hoffte nur noch,

dass ich heil aus der Bahn heraus kam,

Denn dann hielt sie zwar an,

doch der betrunkene Mann

Ließ niemanden raus.

erst als man ihm drohte mit der Polizei

Ließ er die aussteigenden Leute vorbei.

Ich war unendlich froh,

Dass der Horror vorüber war.

Den Termin nahm ich ein anderes Mal wahr.

„Nie wieder werde ich mit der U-Bahn fahren,

wenn ein Fußballspiel zu Ende ist,

Auch Taxifahren ist dann Mist.

Ich muss dann als Behinderte sagen:

„Überfüllte Bahnen sind nichts für mich,

und ganz ehrlich

nach einem Fußballspiel richtig gefährlich.“

Mittlerweile wohne ich in Aachen.

Da geschehen andere Sachen.

ich bin jetzt auf den Rollstuhl angewiesen , kann einen Behindertentransport anrufen oder mit meinem Mann in unserem Auto mitfahren.Aber es war schon toll, dass ich noch mit der Bahn fahren konnte  und  selbsständig dort hin kommen konnte , wie und wann ich es wollte.

Aber die Lage meiner Wohnung so nahe am Fussballstadium war sehr problematisch,

Ich musste so manches Mal von zu Hause aus ein Taxi zu rufen, das dann ofterstnach einer Stunde kam.

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